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Die größten Gefahren im eigenen Haushalt

Zuhause fühlen wir uns sicher. Es ist der Ort für Entspannung, Geborgenheit und Routine. Doch die Statistik zeigt: Die eigenen vier Wände sind alles andere als risikofrei. Laut einer Erhebung des Robert Koch-Instituts ereignen sich die meisten Unfälle im Haushalt. Hier kommt es zudem besonders häufig zu Unfällen mit schweren oder sogar tödlichen Folgen. In diesem Artikel erfahren Sie, wo im eigenen Zuhause die typischen Gefahrenquellen liegen und wie sich Haushaltsunfälle und Schäden vermeiden lassen.
von Katharina Arend & Naomi Krusche

Warum viele Gefahren im Alltag unterschätzt werden

Viele Unfälle im Haushalt passieren nicht aus Unwissenheit, sondern aus Gewohnheit. Wer täglich in den eigenen vier Wänden unterwegs ist, entwickelt Routinen. Genau diese können trügerisch sein, denn sie führen oft zu einem falschen Sicherheitsgefühl – und wer sich in Sicherheit wiegt, unterschätzt Gefahren im Alltag schneller und steigt im Zweifel lieber auf den wackeligen Hocker als auf die sichere Leiter.

Hinzu kommt: Im Haushalt erledigen wir viele Dinge nebenbei, etwa beim Telefonieren, Kochen oder auch während der Kinderbetreuung. Doch da der Mensch nur sehr eingeschränkt multitaskingfähig ist, kommt es genau in solchen Situationen zu typischen Haushaltsunfällen und Schäden. Stress und Müdigkeit senken unsere Konzentration und erhöhen ebenfalls das Risiko für kleinere oder größere Missgeschicke zu Hause.

Die Top-Gefahrenzonen im Haus

Im Alltag wirken viele Bereiche im und rund ums Zuhause harmlos – dabei verbergen sich gerade dort oft unterschätzte Gefahren.

Die Küche

Die Küche ist einer der lebendigsten Orte im Haushalt. Morgens wird schnell ein Kaffee gemacht, mittags etwas gekocht und abends die Brotdosen der Kinder für den nächsten Tag vorbereitet. Gleichzeitig ist die Küche aber längst nicht mehr nur ein Ort der Verpflegung: Hier werden Hausaufgaben gemacht, Gespräche geführt und das Familienleben organisiert. Genau dieser Mix aus Alltag, Zeitdruck und Multitasking sorgt dafür, dass typische Risiken leicht übersehen werden.

Zu den typischen Unfällen in der Küche zählen:

  • Schnittverletzungen durch Messer oder Küchenutensilien
  • Verbrennungen durch heiße Töpfe, Pfannen, Wasserkocher oder heißen Wasserdampf
  • Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten
  • Stürze durch improvisierte Aufstiegshilfen

Zu den typischen Sachschäden in der Küche zählen:

  • Fettbrände durch unbeaufsichtigtes Erhitzen von Öl oder Fett
  • Küchenbrände durch unbeaufsichtigtes Kochen oder technische Defekte
  • Beschädigte Elektrogeräte (z. B. durch Überhitzung oder Kurzschluss)
  • Rauch- oder Wasserschäden durch vergessene Herdplatten oder defekte Geräte

Das Badezimmer

Das Badezimmer ist ein Raum, den wir ganz selbstverständlich und mehrmals am Tag nutzen. Hier wird geduscht, Zähne geputzt, Hände gewaschen oder schnell noch Wäsche in den Korb gelegt. Gerade die ständige, beiläufige Nutzung – oft unter Zeitdruck – sorgt dafür, dass mögliche Gefahren im Alltag nicht mehr bewusst wahrgenommen werden.

Zu den typischen Unfällen im Badezimmer zählen:

  • Stürze auf nassen Fliesen oder in der Dusche
  • Vergiftungen durch Reinigungsmittel oder Chemikalien

Zu den typischen Sachschäden im Badezimmer zählen:

  • Stromunfälle durch Elektrogeräte in Wassernähe (z. B. elektrischer Rasierer oder Föhn)
  • Wasserschäden an Böden, Wänden und Möbeln
  • Glasbruch an Duschkabinen oder Spiegeln

Das Wohnzimmer

Tagsüber herrscht hier oft viel Bewegung: Kinder spielen auf dem Teppich, es wird getobt, gelesen oder gearbeitet. Am Abend kehrt Ruhe ein und es wird gemütlich auf dem Sofa entspannt. Genau diese Mischung aus Trubel und Ruhe lässt mögliche Gefahren im Alltag schnell in den Hintergrund treten.

Zu den typischen Unfällen im Wohnzimmer zählen:

  • Stolperunfälle durch Kabel, Teppichkanten oder Möbel
  • Verbrennungen am Kamin

Zu den typischen Sachschäden im Wohnzimmer zählen:

  • Kerzenbrände durch unbeaufsichtigte Flammen
  • Defekte Elektrogeräte oder Überspannungsschäden an Fernsehern, Konsolen oder Laptops
  • Einbruchdiebstahl und daraus resultierende Schäden oder Verluste

Die Treppe und der Flur

Der Flur ist ein typischer Durchgangsbereich: Jacken werden hastig abgelegt, Schuhe, Taschen oder Rucksäcke stehen im Weg. Auch die Treppe wird im Alltag oft in Eile genutzt oder dient als kurzfristiger Ablageort für Spielzeug oder Wäschekörbe, die darauf warten, ins obere Stockwerk gebracht zu werden. Hier entscheidet oft ein kleiner Moment über einen großen Unfall.

Zu den typischen Unfällen im Flur- und Treppenbereich zählen:

  • Stolperunfälle durch Teppichkanten, Schuhe oder herumliegende Gegenstände
  • Stürze auf der Treppe beim Hinunter- oder Hinaufgehen
  • Rutschunfälle durch glatte Böden oder ungeeignetes Schuhwerk

Besonders tückisch: Im Flur- und Treppenbereich ist die Beleuchtung oft unzureichend, was das Unfallrisiko zusätzlich erhöht.

Der Keller und Hauswirtschaftsraum

Der Keller ist selten ein Aufenthaltsraum, sondern eher ein funktionaler Bereich. Hier laufen viele alltägliche Routinen ab – die Waschmaschine wird angestellt, der Trockner ausgeräumt oder schnell noch ein paar Lebensmittel aus dem Vorratslager geholt. Gerade diese Routinen wirken harmlos, können jedoch auch zur Gefahr im Alltag werden.

Zu den typischen Unfällen im Keller und HWR zählen:

  • Stürze auf der Kellertreppe
  • Verletzungen bei handwerklichen Arbeiten mit Werkzeugen

Zu den typischen Sachschäden im Keller und HWR zählen:

  • Wasserschäden durch Rohrbruch, Rückstau oder defekte Leitungen
  • Frostschäden an Wasserleitungen im Winter
  • Schimmelbildung an gelagerten Gegenständen durch Feuchtigkeit
  • Defekte Waschmaschinen oder Trockner mit Brand- oder Wasserschäden
  • Schäden an gelagerten Gegenständen durch Kälte oder Feuchtigkeit

Der Garten

Der Garten ist für viele ein Ort der Erholung und Freizeit. Hier wird gewerkelt, gespielt oder gemeinsam gegrillt. Doch auch hier können schnell gefährliche Situationen entstehen – etwa beim Umgang mit Gartengeräten, beim Tragen schwerer Lasten oder durch Unachtsamkeit.

Zu den typischen Unfällen im Garten zählen:

  • Stürze bei Gartenarbeiten durch unebenes Gelände, Gartenschläuche oder Leitern
  • Verletzungen durch Rasenmäher, Heckenscheren oder Sägen
  • Rückenverletzungen durch schweres Heben (z. B. Erde oder Pflanzkübel)
  • Insektenstiche (z. B. durch Wespen beim Grillen)

Zu den typischen Sachschäden im Garten zählen:

  • Sturmschäden an Gartenmöbeln, Geräten oder der Terrasse
  • Brandschäden durch Grillunfälle oder Funkenflug
  • Diebstahl von Gartenmöbeln oder Werkzeugen

Wer ist von Haushaltsunfällen besonders betroffen?

Nicht jedes Zuhause birgt die gleichen Risiken. Ob mit Kindern, Haustieren, im höheren Alter oder als Alleinlebender* – je nach Lebenssituation entstehen ganz unterschiedliche Gefahren im Haushalt. Wer seine persönliche Situation kennt, kann Risiken besser einschätzen und gezielt vorbeugen.

Kinder

Kinder zählen zu den besonders gefährdeten Gruppen, da sie Risiken noch nicht vollständig einschätzen können. Sie sind neugierig, erkunden ihre Umgebung und probieren vieles aus. Besonders gefährlich sind ungesicherte Steckdosen, Treppen ohne Schutzgitter oder Möbel mit ungesicherten Schubladen, die umkippen können, wenn Kinder daran hochklettern oder darauf spielen. Auch Verbrennungen am Herd oder Kamin sowie Vergiftungen durch Medikamente, Reinigungsmittel oder Alkohol stellen ein erhebliches Risiko dar. Deshalb sollten solche Gegenstände stets außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Auch beim Spielen lauern Gefahren im Haushalt – etwa, wenn kleine Gegenstände in den Mund gesteckt werden. Dann kann schnell Erstickungsgefahr bestehen.

Senioren

Auch ältere Menschen haben ein erhöhtes Unfallrisiko im Haushalt. Mit zunehmendem Alter lassen Gleichgewicht, Kraft und Reaktionsfähigkeit oft nach. Dadurch steigt insbesondere das Risiko für Stürze, die häufig die Ursache schwerer Verletzungen sind. Ein „klassischer Unfall“ ist das Stolpern über Teppichkanten. Der Hauptgrund dafür ist ein verändertes Gangbild im Alter: Viele Senioren heben die Füße nicht mehr hoch genug an und verfallen in einen Schlurfschritt. Kleine Erhöhungen werden dadurch schnell zur Gefahr. Umso wichtiger ist es, die Wohnumgebung altersgerecht zu gestalten – etwa durch rutschfeste Böden und Teppiche, eine gute Beleuchtung auf den Laufwegen oder Haltegriffe im Bad.

Nicht nur körperliche Einschränkungen erhöhen im Alter das Risiko im eigenen Zuhause – auch kleine Unachtsamkeiten können schnell zu Problemen führen. Bleibt etwa der Herd eingeschaltet oder ein Fenster offen, entstehen schnell Brand- oder Einbruchgefahren. Vergesslichkeit zählt daher zu den häufigen Ursachen für Sachschäden im Haushalt.

Gut zu wissen: Zur Sturzprävention oder Sturzprophylaxe bieten viele gesetzliche Krankenkassen oder Hilfsorganisationen verschiedene Programme oder Kurse für Senioren an.

Alleinlebende

Wer allein lebt – unabhängig vom Alter – ist ebenfalls besonderen Risiken ausgesetzt. Kommt es zu einem Unfall im Haushalt oder einem medizinischen Notfall, kann Hilfe unter Umständen verspätet eintreffen. Selbst kleinere Verletzungen können dann schnell gefährlich werden, wenn niemand in der Nähe ist. Bei Unfällen von alleinlebenden Senioren kommt häufig eine weitere oft unterschätzte Gefahr hinzu:  Die absolute Unfähigkeit, selbstständig wieder aufzustehen – selbst wenn der Senior völlig unverletzt geblieben ist. Während jüngere Menschen nach einem Sturz sofort aufstehen, scheitern Senioren meist am altersbedingten Muskelabbau und steifen Gelenken. Es fehlt schlicht die Kraft, das eigene Körpergewicht aufzurichten. Dieses Phänomen des unfreiwilligen Liegenbleibens gilt ab einer Stunde als lebensbedrohlicher Notfall.

Umso wichtiger ist es, im Alltag gut vorbereitet zu sein. Regelmäßiger Kontakt zu Angehörigen oder ein griffbereites Smartphone können im Ernstfall entscheidend sein. Auch technische Notrufsysteme können Leben retten:

  • Hausnotruf mit Sturzerkennung: Geräte von verschiedenen Anbietern (z. B. Malteser oder DRK) werden am Handgelenk oder als Kette getragen. Sie registrieren den Aufprall und lösen bei anschließender Bewegungslosigkeit nach wenigen Sekunden automatisch einen Alarm in der Notrufzentrale aus.
  • Senioren-Smartwatches: Diese Uhren kombinieren die automatische Sturzerkennung mit einer GPS-Ortung für Stürze außerhalb der Wohnung. Zudem erlauben sie ein direktes Telefonat über die Uhr.
  • Raumsensoren: An der Wand montierte Radar- oder Infrarotsensoren scannen Zimmer berührungslos. Sie erkennen eine unnatürlich flache Position auf dem Boden und alarmieren Angehörige ohne tragbaren Sensor.

Haustierbesitzer

Auch Haustiere bringen zusätzliche Risiken mit sich. Hunde oder Katzen können zur Stolperfalle werden, etwa wenn sie plötzlich zwischen den Beinen hindurchlaufen oder im Laufweg liegen. Zudem können Kratzer oder Bissverletzungen entstehen. Nicht zuletzt verursachen Haustiere manchmal Sachschäden, etwa wenn Gegenstände umgestoßen oder Möbel beschädigt werden.

Gut zu wissen: Zu den hartnäckigsten Versicherungsmythen zählt der Irrglaube, dass eine Tierhalterhaftpflichtversicherung Schäden ersetzt, die das Tier im eigenen Haushalt verursacht. Wie bei der privaten Haftpflichtversicherung gilt allerdings auch hier: Eigene Schäden sind nicht versichert.

Im Ernstfall mit der Mecklenburgischen abgesichert

3 Fragen an eine Versicherungsexpertin

Welche Leistungen erbringt die private Unfallversicherung, wenn es im Haushalt zu einem Unfall kommt?

Abhängig von der Art der Police, den vereinbarten Leistungsbausteinen und der Art der Verletzung können beispielsweise Sofortleistungen, Invaliditätsleistungen, Krankenhaustagegeld, Reha-Beihilfen sowie Leistungen für kosmetische Operationen oder Hilfs- und Pflegeleistungen gewährt werden.

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Katharina ArendTeamleiterin und Fachreferentin in der privaten Unfallversicherung (Schadenregulierung)

Welche Leistungen sind von der privaten Unfallversicherung ausgeschlossen?

Die private Unfallversicherung leistet grundsätzlich nicht für Krankheiten und krankheitsbedingte Beeinträchtigungen (z. B. Diabetes, Schlaganfall) und sonstige unfallunabhängige Gebrechen (z. B. Gelenkverschleiß oder Folgen früherer Unfälle). Auch unfallbedingte Behandlungskosten werden nicht übernommen.

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Katharina ArendTeamleiterin und Fachreferentin in der privaten Unfallversicherung (Schadenregulierung)

Was bedeutet Invalidität in der privaten Unfallversicherung?

Eine Invalidität liegt vor, wenn es durch einen Unfall zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit kommt. „Dauerhaft“ bedeutet, dass die gesundheitliche Beeinträchtigung voraussichtlich länger als 3 Jahre bestehen bleibt und eine Änderung dieses Zustandes nicht zu erwarten ist. Dies muss ärztlich festgestellt und bescheinigt werden.

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Katharina ArendTeamleiterin und Fachreferentin in der privaten Unfallversicherung (Schadenregulierung)

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10 Tipps für ein sicheres Zuhause

Viele Risiken für einen häuslichen Unfall lassen sich bereits mit kleinen Anpassungen im Alltag deutlich reduzieren. Oft sind es einfache Gewohnheiten oder technische Vorkehrungen, die im Ernstfall größere Unfälle oder Schäden verhindern können.

  • Tipp 1: Sorgen Sie für grundlegende Sicherheit im Haushalt, indem Sie Rauchmelder installieren, Sicherheitssysteme nutzen und diese regelmäßig überprüfen. So lassen sich Brände und Einbrüche frühzeitig erkennen oder im besten Fall verhindern.
  • Tipp 2: Vermeiden Sie Stolperfallen konsequent, indem Sie Kabel, Spielzeug oder andere Gegenstände regelmäßig aus Laufwegen entfernen und so das Sturzrisiko reduzieren.
  • Tipp 3: Verwenden Sie für Arbeiten in der Höhe ausschließlich stabile Leitern oder Trethocker und verzichten Sie auf improvisierte Aufstiegshilfen wie wackelige Stühle oder Hocker.
  • Tipp 4: Reduzieren Sie Rutschgefahren, indem Sie rutschfeste Matten im Bad und auf glatten Böden einsetzen und frisch gewischte Flächen vollständig trocknen lassen, bevor Sie sie betreten.
  • Tipp 5: Sorgen Sie für ausreichend Beleuchtung in allen Wohnbereichen, insbesondere auf nächtlichen Wegen oder in wenig genutzten Räumen wie Keller und Flur.
  • Tipp 6: Gehen Sie sorgfältig mit Elektrogeräten um: Prüfen Sie diese regelmäßig und lassen Sie beschädigte Geräte oder Kabel ausschließlich von Fachbetrieben reparieren oder austauschen.
  • Tipp 7: Vermeiden Sie Brand- und Stromrisiken, indem Sie Akkus nicht unbeaufsichtigt laden, Mehrfachsteckdosen nicht überlasten, Kerzen nie unbeaufsichtigt lassen und elektrische Geräte nach Gebrauch vollständig ausschalten.
  • Tipp 8: Lagern Sie gefährliche Stoffe wie Reinigungsmittel oder Chemikalien stets sicher und niemals offen zugänglich oder in Getränkeflaschen, um Verwechslungen zu vermeiden.
  • Tipp 9: Achten Sie auf Einbruchschutz, indem Sie Fenster und Türen auch bei kurzer Abwesenheit schließen und keine Ersatzschlüssel außerhalb der eigenen vier Wände verstecken.
  • Tipp 10: Nehmen Sie sich im Alltag ausreichend Zeit für Haushaltsarbeiten und vermeiden Sie Zeitdruck und Ablenkungen, um Unfälle im Alltag durch Unachtsamkeit zu verhindern.

FAQs - Häufig gestellte Fragen zu den größten Gefahren im eigenen Haushalt

Was sind die häufigsten Unfallarten im Haushalt?

Zu den häufigsten Unfallarten im Haushalt zählen Stürze, Schnittverletzungen, Verbrennungen und Verbrühungen, Rauchvergiftungen, Verätzungen und Stromschläge.

Wann ist eine private Unfallversicherung sinnvoll?

Eine private Unfallversicherung ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie sich nicht nur während der Arbeit, sondern auch in der Freizeit und im Haushalt umfassend absichern möchten. Denn die gesetzliche Unfallversicherung greift in der Regel nur bei Arbeitsunfällen und auf dem direkten Arbeitsweg. Da die meisten Unfälle jedoch zu Hause oder in der Freizeit passieren, entsteht hier oft eine wichtige Versicherungslücke.

Sind alle denkbaren Unfälle und Gesundheitsschäden in der privaten Unfallversicherung versichert?

Nein, nicht versichert sind zum Beispiel:

  • Bandscheibenschäden (z. B. Bandscheibenvorfall)
  • psychische Reaktionen nach einem Unfall (z. B. Angstzustände nach einem Unfall)
  • Unfälle bei der aktiven Teilnahme an Motorrennen 
  • Unfälle durch Bewusstseinsstörungen (z. B. durch einen übermäßigen Alkohol- oder Drogenkonsum sowie durch einen Kreislaufkollaps oder eine Schwindelattacke)

Hinweis: Die Aufzählung ist nicht abschließend

Welche Sofortmaßnahmen sollte ich nach einem Haushaltsunfall ergreifen?

Nach einem häuslichen Unfall ist es wichtig, zunächst Ruhe zu bewahren und die Situation richtig einzuschätzen. Bei schweren Verletzungen sollte sofort der Notruf verständigt werden. Kleinere Verletzungen können hingegen häufig selbst versorgt werden. Prellungen und leichte Zerrungen heilen in der Regel von selbst innerhalb von 2-3 Wochen ab.

Grundsätzlich gilt: Bei Schwindel, Erbrechen, Verwirrung oder Bewusstseinsstörungen sowie bei Bauchschmerzen (innere Blutungen), Atemnot (Rippenbruch), Sehstörungen oder starker Schwellung am Auge sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, den Unfallhergang zu dokumentieren – zum Beispiel durch Fotos oder kurze Notizen. Sammeln Sie außerdem alle Arztberichte, Diagnosen etc. und heben Sie diese auf – diese Unterlagen können für Ihre Unfallversicherung wichtig und hilfreich sein. Melden Sie den Unfall unverzüglich, das heißt innerhalb von wenigen Tagen nach dem Unfall, bei Ihrer Unfallversicherung.

Wer hilft mir, wenn ich nach einem Unfall zu Hause nicht mehr allein zurechtkomme?

Wenn Betroffene nach einem Haushaltsunfall vorübergehend oder dauerhaft Unterstützung benötigen, gibt es verschiedene Anlaufstellen. Angehörige und Freunde sind häufig die erste Hilfe im Alltag. Darüber hinaus können ambulante Pflegedienste, Haushaltshilfen oder Rehabilitationsmaßnahmen unterstützen. Mit unseren wertvollen Hilfs- und Pflegeleistungen in der privaten Unfallversicherung unterstützen wir Sie, wenn Sie nach einem Unfall Hilfe im Alltag benötigen (z. B. Grundpflege, Menü- und Einkaufsservice).

Welche Voraussetzungen müssen für einen Invaliditätsanspruch erfüllt sein?

Unbedingt zu beachten und einzuhalten sind im Falle eines unfallbedingten Dauerschadens die vertraglich vereinbarten Fristen. Es handelt sich um vertraglich festgelegte Zeiträume, innerhalb derer ein unfallbedingter Dauerschaden ärztlich schriftlich festgestellt und bei der Unfallversicherung geltend gemacht werden muss.

Die Fristen belaufen sich je nach Police auf 15 oder 18 Monate. Wenn diese Frist nicht eingehalten wird, kann dies zum Verlust des Anspruchs auf die Invaliditätsleistung führen.

Im Unfallschaden erhalten Sie von uns ein Formular „Invaliditätsbescheinigung“, in welchem der behandelnde Arzt den Dauerschaden bescheinigen kann. Mit der Vorlage dieser Bescheinigung können Sie Ihren Invaliditätsanspruch bei uns anmelden.

Wie wird der Invaliditätsgrad bemessen?

Der Maßstab für die Bemessung des Grades der Beeinträchtigung (des Invaliditätsgrades) ist die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit einer durchschnittlichen Person gleichen Alters. Es wird also bemessen, wie stark die Leistungsfähigkeit durch den Unfall von der normalen   Leistungsfähigkeit einer durchschnittlichen Person gleichen Alters abweicht. Individuelle Faktoren, z. B. die berufliche Tätigkeit, Hobbys, besondere Talente, individuelle Fähigkeiten etc. werden bei der Bemessung des Invaliditätsgrades nicht berücksichtigt.

Die unfallbedingte Invalidität ist grundsätzlich nicht mit einer Minderung der Erwerbsfähigkeit, Berufsunfähigkeit oder Schwerbehinderung gleichzusetzen.

In den meisten Fällen ist die Grundlage für die Bemessung des Invaliditätsgrades die vertraglich vereinbarte Gliedertaxe. In der Gliedertaxe werden die Prozentsätze für den vollen Verlust oder völlige Funktionsunfähigkeit der Gliedmaßen oder eines Sinnesorgans festgelegt. Bei teilweiser Beeinträchtigung entspricht der Invaliditätsgrad einem Bruchteil des in der Gliedertaxe festgelegten Invaliditätsgrades.

Welche Kosten können nach einem Haushaltsunfall entstehen?

Ein Unfall im Haushalt kann schnell verschiedene finanzielle Belastungen nach sich ziehen. Neben möglichen Zuzahlungen für Medikamente, Therapien oder Hilfsmittel wie Gehstützen entstehen häufig auch Kosten für Reha-Maßnahmen, Haushaltshilfen oder notwendige Umbauten in der Wohnung. Wenn Betroffene vorübergehend nicht arbeiten können, können zudem Verdienstausfälle hinzukommen.

Je nach persönlicher Situation und Versicherungsschutz übernehmen die Kranken-, Pflege- oder private Unfallversicherung einen Teil dieser Kosten oder unterstützen mit zusätzlichen Leistungen.

Gilt ein Unfall im Homeoffice als Arbeitsunfall?

Grundsätzlich gilt: Ein Unfall kann nur dann als Arbeitsunfall eingestuft werden, wenn er in direktem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht. Das bedeutet: Ist die Tätigkeit eindeutig arbeitsbezogen, kann ein Unfall im Homeoffice unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung fallen. Entscheidend ist immer der konkrete Zusammenhang zur beruflichen Tätigkeit im Moment des Unfalls.

Was sind die häufigsten Hausratschäden?

Zu den häufigsten Hausratschäden zählen Leitungswasserschäden – etwa durch defekte Wasch- oder Spülmaschinen, Rohrbrüche oder undichte Leitungen. Ebenfalls häufig sind Schäden durch Einbruchdiebstahl, Sturm, Hagel sowie Feuer. Versichert sind dabei Schäden am Hausrat selbst, also zum Beispiel an Möbeln, Kleidung oder Elektrogeräten. Schäden am Gebäude fallen hingegen in der Regel unter die Wohngebäudeversicherung.

Welche Schäden übernimmt die Hausratversicherung nicht?

Die Hausratversicherung übernimmt normalerweise keine Schäden, die durch alltägliche Abnutzung, Alterung oder Verschleiß entstehen. Auch vorsätzlich verursachte Schäden sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Darüber hinaus gehören bestimmte Gegenstände grundsätzlich nicht zum versicherten Hausrat – dazu zählen unter anderem Kraftfahrzeuge, deren Anhänger sowie Luft- und Wasserfahrzeuge.

Welche Schäden und Leistungen tatsächlich versichert sind, hängt immer von den jeweiligen Versicherungsbedingungen und dem gewählten Tarif ab.

Die Autorinnen

Katharina Arend
Naomi Krusche

Katharina Arend

Teamleiterin und Fachreferentin in der privaten Unfallversicherung (Schadenregulierung)

Katharina Arend ist seit Beginn ihrer Ausbildung zur Versicherungskauffrau vor fast 30 Jahren beruflich eng mit der Mecklenburgischen Versicherung verbunden. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten liegt ihr Fokus auf der Schadenregulierung in der privaten Unfallversicherung. Dort setzt sie sich für eine faire, transparente und fachlich fundierte Leistungsregulierung ein. Besonders motiviert sie die Herausforderung, bei komplexen versicherungsmedizinischen und rechtlichen Sachverhalten die Menschlichkeit nicht aus dem Blick zu verlieren.

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text das generische Maskulinum verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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