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Saisonkennzeichen fürs Motorrad: Was Sie wissen müssen

Wenn die ersten Sonnenstrahlen über den Asphalt wandern und der Motor nach Monaten zum ersten Mal wieder vibrierend erwacht, gibt es für Motorradbegeisterte nur ein Gefühl: Freiheit. Doch bevor es endlich zurück auf die Straße geht, lohnt sich ein Blick auf ein kleines Detail mit großer Wirkung: das Motorrad Saisonkennzeichen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie ein Saisonkennzeichen funktioniert, ob es zu Ihrem Fahrverhalten passt und welche Versicherungsvorteile es bietet.
von Marc Scheuermann & Naomi Krusche

Was ist ein Saisonkennzeichen?

Ein Saisonkennzeichen lohnt sich für alle, die ihr Motorrad nur in einem bestimmten Zeitraum nutzen möchten. Statt das Fahrzeug jedes Jahr an- und abzumelden, legen Sie einmal fest, in welchen Monaten Sie fahren wollen. Ihr Bike ist automatisch jedes Jahr genau dann zugelassen und versichert.

Übrigens: Auch für andere Fahrzeuge lohnt sich ein Saisonkennzeichen – etwa für Cabrios oder Wohnmobile.

Gültigkeitszeitraum: So funktioniert’s

  • Mindestdauer: 2 Monate 
  • Maximaldauer: 11 Monate
  • Regel zum Zeitraum: Der Zeitraum muss zusammenhängend sein – getrennte Intervalle sind nicht erlaubt.

Gut zu wissen: Der Gültigkeitszeitraum beginnt immer am ersten Tag des Startmonats und endet am letzten Tag des Ablaufmonats.

Wie lese ich mein Saisonkennzeichen fürs Motorrad richtig?

Ein Saisonkennzeichen sieht auf den ersten Blick fast aus wie ein ganz normales Motorradkennzeichen – doch ein entscheidendes Detail macht den Unterschied: die zusätzlichen Zahlen am rechten Rand. Sie geben den Gültigkeitszeitraum an und zeigen Ihnen genau, wann Ihr Motorrad auf öffentlichen Straßen fahren darf. Ein häufig gewählter Zeitraum für das Saisonkennzeichen ist März bis Oktober – auf dem Motorrad Saisonkennzeichen wird dies als 03–10 angegeben.

Die Nutzungsdauer Ihres Motorrads wird an drei Stellen vermerkt:

  • auf dem Saisonkennzeichen,
  • in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein),
  • und in der Versicherungspolice.

Gut zu wissen: Das Verkürzen oder Verlängern Ihres Saisonzeitraums ist nur mit der Beantragung eines neuen Saisonkennzeichens möglich.

Welche Größe hat ein Saisonkennzeichen?

Interessant für alle, die sich für Details rund um Motorradkennzeichen interessieren: Ein Saisonkennzeichen hat die gleichen Abmessungen wie ein reguläres Motorradkennzeichen – scherzhaft wird es auch gerne „Kuchenblech“ genannt. Seit 2011 erlaubt die Fahrzeug-Zulassungsverordnung Nummernschilder an Motorrädern mit 20 cm Höhe und 18, 20 oder 22 cm Breite.

Die Vorteile des Saisonkennzeichens auf einen Blick

  • Geringere Kosten: Sie zahlen Steuer und Versicherung nur für den festgelegten Saisonzeitraum.
  • Weniger Bürokratie: Eine jährliche An- oder Abmeldung beim Straßenverkehrsamt ist nicht notwendig.
  • Automatische Ruheversicherung: Außerhalb der Saison ist Ihr Motorrad über die beitragsfreie Ruheversicherung geschützt.
  • Flexibilität bei der Saisonlänge: Sie können Ihre Saison zwischen mindestens 2 und maximal 11 Monaten wählen.

Versicherungsschutz für ein Motorrad mit Saisonkennzeichen

Mit einem Saisonkennzeichen genießen Motorradfahrer* während des festgelegten Zulassungszeitraums (z. B. von März bis Oktober) den vollen Versicherungsschutz – ganz wie bei einem regulären Kennzeichen. Was viele jedoch nicht wissen: Außerhalb der Saison entfällt der Schutz nicht, sondern ruht lediglich. Ihr Motorrad ist also in den Standmonaten automatisch beitragsfrei über eine sogenannte Ruheversicherung abgesichert. Darüber sind je nach Versicherungsinhalt in der Regel Haftpflicht- und Teilkaskorisiken abgedeckt. Das bedeutet: Ihr Motorrad ist auch im Winter beispielsweise gegen Diebstahl, Brand, Sturm-, Hagel- oder Blitzschäden sowie Marderbisse versichert – obwohl Sie in dieser Zeit keinen Beitrag zahlen.

Damit dieser Ruheversicherungsschutz greift, muss das Motorrad in einer Garage oder auf einem umfriedeten Abstellplatz (z.B. durch Zaun, Hecke, Mauer umschlossen) dauerhaft abgestellt werden. Im öffentlichen Raum dürfen Sie Ihr Motorrad außerhalb der Saison nicht nutzen. Es darf weder gefahren noch am Straßenrand geparkt werden. Wer sein Bike in einer öffentlichen Tiefgarage, auf Gehwegen oder vor dem Haus auf einem Gemeinschaftsparkplatz abstellt, riskiert den Versicherungsschutz sowie Bußgelder und Punkte in Flensburg.

Im Ernstfall mit der Mecklenburgischen abgesichert

3 Fragen an einen Versicherungsexperten

Was passiert mit meinem Versicherungsschutz außerhalb der Saison?

Außerhalb der Saison erhalten Sie kostenlos eine Ruheversicherung. Die Kfz-Haftpflicht deckt Schäden an fremdem Eigentum, etwa durch einen Kurzschluss. Je nach Vertrag sind auch Teilkaskoschäden wie Hagel, Blitzschlag, Marderbiss oder Diebstahl versichert. Voraussetzung: Das Fahrzeug steht in einer abschließbaren Garage oder auf umzäuntem Privatgelände.

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Marc ScheuermannGruppenleiter im Underwriting

Kann ich außerhalb der Saison zur Inspektion oder HU fahren?

Während der Ruhezeit sind in der Kfz-Haftpflicht Fahrten zur Zulassung sowie zur Haupt- oder Abgasuntersuchung versichert. Der Schutz gilt dabei nur im eigenen oder angrenzenden Zulassungsbezirk. Buchen Sie am besten vorab einen Termin und führen Sie alle nötigen Unterlagen mit. Liegen Werkstatt oder Prüfstelle außerhalb des Geltungsbereichs, besteht bei einem Unfall kein Versicherungsschutz.

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Wie wirkt sich ein Saisonkennzeichen auf meinen Beitrag aus?

Mit einem Saisonkennzeichen lässt sich Versicherungsbeitrag sparen, denn Sie zahlen nur für die Monate des Jahres, in denen das Fahrzeug auch genutzt wird. Auch die Kfz-Steuer wird nur für die Saisonmonate berechnet. Die Ersparnis betrifft also nicht nur die Versicherung, sondern auch die laufenden Fixkosten.

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FAQs - Häufig gestellte Fragen zum Saisonkennzeichen

Wie mache ich mein Motorrad nach der Winterpause wieder fit?

Vor der ersten Ausfahrt sollten Sie idealerweise Folgendes tun:

  • Flüssigkeiten kontrollieren: Ölstand, Kühlflüssigkeit und Bremsflüssigkeit sollten in Ordnung sein.
  • Reifendruck checken: Während der Standzeit verliert der Reifen oft Luft – richtig aufgepumpte Reifen sorgen für besseres Fahrverhalten und Sicherheit.
  • Batterie prüfen: Bei längerer Pause entlädt sie sich häufig. Laden Sie sie bei Bedarf vor der ersten Tour vollständig auf.
  • Bremsen testen: Kontrollieren Sie die Bremsbeläge und betätigen Sie Vorder- und Hinterbremse, bevor Sie losfahren.
  • Kette pflegen: Reinigen und schmieren Sie die Kette, damit sie geschmeidig läuft und keinen unnötigen Verschleiß verursacht.
Wie beantrage ich ein Saisonkennzeichen fürs Motorrad?

Ein Motorrad Saisonkennzeichen können Sie in der Regel direkt bei Ihrer zuständigen Kfz-Zulassungsstelle beantragen – häufig auch bequem online. Welche Unterlagen genau erforderlich sind, kann je nach Behörde leicht variieren. Grundsätzlich sollten Sie Folgendes bereithalten:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Zulassungsbescheinigung Teil I und II (früher Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief)
  • Nachweis über die gültige Hauptuntersuchung (HU)
  • eVB-Nummer (elektronische Versicherungsbestätigung von Ihrer Kfz-Versicherung)
  • Gewünschter Saisonzeitraum
  • Bankverbindung
  • Ggf. bisheriges Kennzeichen oder Reservierungsbestätigung für ein Wunschkennzeichen

Informieren Sie sich vorab bei Ihrer Zulassungsstelle, ob weitere Nachweise erforderlich sind. So vermeiden Sie zusätzliche Wege und sparen Zeit.

Wie ändere oder verlängere ich ein Saisonkennzeichen?

Sie können den Saisonzeitraum jederzeit ändern – zum Beispiel von „Mai–November“ auf „März–Oktober“. Für die Anpassung müssen Sie allerdings ein neues Saisonkennzeichen beantragen. Das gilt sowohl während der laufenden Saison als auch für das kommende Jahr. Informieren Sie dazu zuerst Ihre Versicherung. Sie erhalten eine neue eVB-Nummer, die Sie für die Ummeldung bei der Zulassungsstelle benötigen.

Welche Nachteile hat ein Motorrad Saisonkennzeichen?

Ein Saisonkennzeichen fürs Motorrad ist praktisch und spart Versicherungsbeiträge, aber es gibt auch Einschränkungen, die Sie kennen sollten:

  • Eingeschränkte Flexibilität: Außerhalb des Saisonzeitraums darf das Motorrad weder gefahren noch im öffentlichen Raum abgestellt werden.
  • Abstellpflicht auf privatem Grundstück: Wer außerhalb der Saison keinen sicheren Stellplatz hat, riskiert den Versicherungsschutz.
  • Gesonderte Beantragung bei Änderungen: Möchten Sie den Zeitraum anpassen, benötigen Sie jedes Mal eine neue eVB-Nummer und ein neues Kennzeichen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Saisonkennzeichen und einem Wechselkennzeichen?

Ein Wechselkennzeichen lohnt sich, wenn Sie regelmäßig zwischen zwei Fahrzeugen wechseln, die in die gleiche EU-Fahrzeugklasse fallen – zum Beispiel zwischen zwei Motorrädern. Sie beantragen ein Kennzeichen, das Sie für zwei Fahrzeuge nutzen können – fahren dürfen Sie jedoch immer nur eines davon. Mit dem Wechselkennzeichen sparen Sie vor allem Verwaltungsaufwand und Kosten für separate Zulassungen. Wichtig zu wissen: Anders als bei einem Saisonkennzeichen sind bei einem Wechselkennzeichen beide Fahrzeuge ganzjährig steuer- und versicherungspflichtig – selbst wenn eines davon gerade nicht genutzt wird. Allerdings dürfen Sie ein Fahrzeug mit einem Wechselkennzeichen das ganze Jahr über flexibel nutzen, während ein Saisonkennzeichen nur in einem festgelegten Zeitraum gilt.

Kann ich während der Ruhezeit Umbauten oder Reparaturen am Motorrad durchführen?

Ja. Auch wenn das Motorrad außerhalb des Saisonzeitraums nicht am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen darf, können Sie in der Ruhezeit ganz normal Reparaturen, Wartungen oder Umbauten durchführen. Wichtig ist lediglich, dass alle Arbeiten auf einem privaten Gelände stattfinden.

Darf ich mit meinem Saisonkennzeichen fürs Motorrad im Ausland fahren?

Ja. Auslandsfahrten sind innerhalb der Saison erlaubt. Im Idealfall machen Sie sich vor Ihrer Ausfahrt noch einmal mit den Bedingungen Ihrer Motorradversicherung vertraut: Manche Tarife bieten zusätzlichen Auslandsschutz oder Mallorca-Police, andere nicht. Ein kurzer Check verhindert böse Überraschungen im Schadensfall.

Wie hoch sind die Kosten für ein Saisonkennzeichen fürs Motorrad?

Die Kosten für ein Saisonkennzeichen fürs Motorrad können je nach Region und Zulassungsstelle leicht variieren, da jeder Zulassungsbezirk eigene Gebührenkataloge hat.

Das Saisonkennzeichen fürs Motorrad kann übrigens Jahr für Jahr wiederverwendet werden, solange Ihr Versicherungsvertrag besteht – Sie sparen sich also die Kosten für eine erneute Zulassung.

Die Autoren

Marc Scheuermann
Naomi Krusche

Marc Scheuermann

Gruppenleiter im Underwriting

Marc Scheuermann ist Gruppenleiter im Underwriting bei der Mecklenburgischen und steuert das Team der Underwriter. Als Volljurist stellt er sicher, dass Versicherungsrisiken wirtschaftlich und regelkonform gezeichnet werden. Schon von frühester Jugend an begeistert sich Marc für alle zwei- und vierrädrigen Kraftfahrzeuge und fährt selbst bereits seit 35 Jahren Motorrad – heute fließt diese Leidenschaft in die Beratung unserer Agenturen ein – oftmals mit kreativen Sonderlösungen für unsere Kunden.

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text das generische Maskulinum verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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